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Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

// Joseph von Eichendorff

In Memoriam Peter Rech 21.5.1943 – 5.12.2019

Am 5. Dezember 2019 ist Prof. Dr. Peter Rech, hochgeschätzter Kollege, engagierter Hochschullehrer, Freund und Mitherausgeber unserer Zeitschrift, für uns alle überraschend im Alter von 76 Jahren verstorben. Wir vermissen ihn, der zu uns gehörte, schmerzlich und denken an ihn. Mit seinem offenen Geist, seinem komplexen Denken und seiner fürsorglichen Aufmerksamkeit für den Anderen bleibt er ein Vorbild.

Vieles durfte für ihn nebeneinanderbestehen, und vieles vermochte er zusammenzuführen. Neben den Pionierinnen, die die Kunsttherapie geprägt haben, ist er als einer der Pioniere zu würdigen, dem hierzulande die Kunsttherapie viel zu verdanken hat. Von 1979 bis 2008 war er Professor für Kunstpädagogik am Institut für Kunst und Kunsttheorie der Universität zu Köln und prägte Lehre und Forschung durch sein weit gespanntes Fachverständnis, das er innovativ mit Psychoanalyse, Kunst, Soziologie und Philosophie zu verbinden wusste.

Legendär sind seine „Eat“-Seminare, die er, angeregt durch seinen Künstler-Freund Daniel Spoerri, als Anwendungsbeispiel der Kunstdidaktik durchführte und Essens-Situationen als Erkenntnisinstrument nutzte. Er verstand es, lustvolle, spielerische Lernatmosphären zu schaffen und im Gegenüber das Vertrauen in sich selbst und in die eigene Kreativität wachsen zu lassen.

Auf der Grundlage seines Dissertationsthemas „Das therapeutische Bewußtsein in Kunsttheorie und Kunstpädagogik“ (1974) erkannte er früh das Potenzial einer Verbindung von Kunst und Therapie. So setzte er sich für geeignete Ausbildungsmöglichkeiten ein und war Mitbegründer und langjähriger Leiter der Kölner Schule für Kunsttherapie.

1982 gründete er die Zeitschrift „Kunst & Therapie – Zeitschrift zu Fragen der ästhetischen Erziehung“, die als Institutszeitschrift ihren Anfang nahm und 2005 eingestellt wurde. Seit mit der Jahrtausendwende die Schwersternreihe „Kunst & Therapie – Zeitschrift für bildnerische Therapien“ als nun unabhängige Fachzeitschrift eröffnet wurde, gehörte er zum kleinen Kreis der Herausgeber.

Wie sehr er die Verbindung von Kunst und Therapie verkörperte, hat sich nicht nur in seinen Schriften, sondern gerade auch in seiner künstlerischen Produktivität manifestiert. Neben Malerei und Zeichnung sind es seine Gedichte, in denen er die Freiheit fand, sich mit seinen Lebensthemen auseinanderzusetzen.

2008 wurde er mit dem Nahbell-Lyrikpreis ausgezeichnet, der ihm für seinen „unbestechlich-zeitgeistresistenten lebenslänglichen Gesamtwerkprozess“ verliehen wurde.

Still war er geworden in seinen letzten Lebensjahren. Nun ist seine Seele nach Hause geflogen. In unseren Herzen wird er weiterleben, und in unseren Taten wird er uns Vorbild bleiben.

Marion Wendlandt-Baumeister
Karl-Heinz Menzen